2732 Geschichten

Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 2.732 Geschichten und dienstags und freitags kommt jeweils eine weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen

Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Sonntag, 15. April 2012

Was hättest Du getan?



Ihr Lieben,

heute Nachmittag möchte ich Euch eine Geschichte von Werner Hassler erzählen:

„Nur eine kleine Episode“

„Am Postschalter herrschte reger Betrieb. Ich reihte mich mit meinen Postsendungen artig in die Reihe der Wartenden ein. Jetzt war eine Frau mit einem blütenweißen Kopftuch und mit farbenfrohen Gewändern an der Reihe.

Sie schob ein größeres Kuvert unter der Glasscheibe durch. 
So sahen früher die Postschalter aus!
Der Beamte legte das Kuvert auf die Briefwaage.
Für diesen Brief reicht aber das Geld nicht aus“, meinte er.

Etwas ratlos stand nun die fremde Frau aus dem fernen Land in der Schalterhalle.
Sie hielt das Kuvert in den Händen und wirkte etwas hilflos.

„Aber Geld hat immer… - Geld war immer genug für Brief nach Hause“,
begann sie zu radebrechen.

Die Gebühren wurden zum 1.September erhöht. Und durch den großen Umschlag wird der Brief auch noch teurer“, erklärte der Beamte kühl.

„Ich nicht verstehen, bitte, noch mal sagen“, stammelte die Frau unglücklich.

Wenn Sie nicht mehr Geld dabei haben, müssen Sie halt noch einmal kommen.
So kann ich den Brief jedenfalls nicht annehmen.“

Ein Mann hinter mir begann zu murren: „Du meine Güte! Nun haltet doch da vorne den Betrieb nicht auf. Außerdem soll die doch erst einmal richtig Deutsch lernen.“

Der Mann vor mir drehte sich um. Dann blickte er den Mann hinter mir empört an.
Nun wandte er sich an den Schalterbeamten: „Wie viel Geld fehlt denn noch?
Eine Mark dreißig“, antwortete der Beamte.

Der Mann zog seine Geldbörse aus der Hosentasche. „Ich werde das übernehmen!“
Dann lächelte er der Frau aus dem fernen Land zu.

Aus dem braunen Gesicht unter dem weißen Kopftuch erstrahlte ehrliche Dankbarkeit. An der Tür drehte sie sich nochmals um und deutete ein Winken an.

In ihrem nächsten Brief in ihre ferne Heimat wird sie vielleicht schreiben,
wie gut und hilfsbereit die Menschen hier sind.
Dabei ist sie doch in dieser nüchternen Schalterhalle nur einem einzigen Menschen begegnet.


Ihr Lieben,

diese kleine Geschichte, sie spielt sich so oder anders sicher jeden Tag in  Supermärkten, Poststellen und vielen anderen Geschäften ab.

Wie einfach ist es doch zu helfen!


Da steht eine ganze Schlange vor dem Postschalter und nur einer aus dieser Schlange reagiert menschlich.

Nun könnte jemand einwenden: „Werner, wenn es nun um einen größeren Betrag gegangen wäre, hätte man dann auch helfen sollen?"

Entscheidend ist doch, erst einmal die Bereitschaft zu zeigen, zu helfen.

Wenn jemand 20.- Euro benötigt, ich habe nur 10.- Euro dabei habe, kann ich ihm natürlich nicht helfen, aber ihn wird meine Hilfsbereitschaft trösten.

Ich habe z.B. schon vor einigen Jahren einem lieben älteren Ehepaar, die ihre Geldbörse verloren hatten, auf einer Raststääte in Süddeutschland einen größeren Geldbetrag geliehen und sie haben mir dann das Geld auf mein Konto überwiesen.

Natürlich hätte es passieren können, dass ich das Geld nicht zurückbekommen hätte, aber daran habe ich nicht gedacht, als es darum ging, zu helfen.

Derjenige, der hilft, kann natürlich auch ausgenutzt werden, das stimmt.

Der alte Pastor Bodelschwingh, der die Anstalten für arme und behinderte Menschen in Bethel begründete, sagte einmal den bemerkenswerten Satz:
Ich weiß genau, dass von zwei Menschen, die an meine Tür kommen, einer ein Betrüger ist, aber um dem anderen, der wirklich in Not ist, zu helfen, helfe ich beiden!

Wenn uns jemand um Hilfe bittet, sollten wir uns niemals von ihm abwenden, sondern immer für ihn da sein. Hilfe kann ganz unterschiedlich aussehen.

Wenn jemand Geld benötigt, der in großer Geldnot ist, und ich ihm selbst nicht helfen kann, dann kann ich mich z.B. mit ihm hinsetzen und darüber nachdenken, welche Wege er beschreiten könne, um an das benötigte Geld zu kommen.

Hilfe bedeutet in den allermeisten Fällen eben nicht: Geldbörse zücken und Geld geben, sondern vor allem, sich für den Hilfesuchenden Zeit zu nehmen, ihm zuzuhören, auf seine Not einzugehen und mit ihm gemeinsam zu überlegen, wie ihm geholfen werden kann.

Wenn der Hilfesuchende das Gefühl hat, in seiner Not nicht allein zu sein,
ist das oft schon einen ganz großartige Hilfe.

Ich wünsche Euch einen fröhlichen Nachmittag und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer heiterer Werner
Quelle: Karin Heringshausen

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