2602 Geschichten

Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 2.602 Geschichten und dienstags und freitags kommt jeweils eine weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen

Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Samstag, 17. September 2011

Papaaaaa - Fragen ohne Ende!

Das Foto wurde von Karin Heringshausen

Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen:

„Fragen ohne Ende“


„Gehen Vögel schlafen? Leuchten Sterne auch tagsüber? Wie viele Schritte müsste ein Mensch gehen, um sein Glück zu finden? All diese Fragen gingen William durch den Kopf, als er eines Abends dem Wind in der untergehenden Sonne lauschte.

William war ein beliebter Portraitzeichner, der von vielen Leuten sehr oft in Anspruch genommen wurde.

Er hatte drei Töchter, Jannika, Taliya und Cecilia. Williams Frau Jennifer verstarb mit gerade einmal 36 Jahren bei einem Verkehrsunfall.

Er sorgte sich liebevoll um seine drei Töchter, hatte sich aber seit dem Unfall seiner geliebten Frau nicht wieder neu verliebt.

Nachdem alle drei Mädchen nach und nach ihr eigenes Leben begonnen hatten, merkte William immer mehr, wie sehr ihn die Ruhe des großen Hauses auffraß.
Das blieb den Leuten seines Dorfes nicht verborgen. Man sah ihn nur noch bei wichtigen Besorgnissen, wie Lebensmittel einkaufen oder den Müll rausbringen, ansonsten sah man abends nur noch das Licht in seinem Schlafzimmer ausgehen.

William wurde immer nachdenklicher und statt Portraits zu zeichnen, begann er seine Gedanken festzuhalten. Anfangs waren es einzelne Geistesblitze, doch mit der Zeit saß er den ganzen Tag vor dem Kamin und schrieb, bis er abends wieder schlafenging.
An seinem 55. Geburtstag beschloss er, sich ein kleines Häuschen am Ende des Strandes zu kaufen, damit er sich nicht mehr so verloren fühlte.

Jeden Tag saß er auf seiner Terrasse und beobachtete die Leute, die täglich kamen und gingen und er bemerkte kaum, wie schnell die Zeit verging. Eines Tages sah er einen kleinen Jungen namens Colin.

William hatte ihn schon öfters hier gesehen und als er ihn einmal wieder um die gewohnte Tageszeit am Strand unten sitzen sah, beschloss er, sich zu ihm zu gesellen.
Colin war sehr freundlich und es dauerte nicht lange, bis die zwei ins Gespräch kamen.

Colin erzählte William, dass er oft hierher komme, um in Ruhe über alles nachzudenken. Er erzählte ihm auch, dass er selten jemanden zum Reden finde und daher seine Gedanken immer dem Wind berichtete. William erzählte Colin, dass es ihm genauso ginge, und Colin war sehr froh, dass er jemanden gefunden hatte, mit dem er über alles reden konnte.

Die beiden trafen sich regelmäßig, bis William plötzlich sein Haus nicht mehr verließ.
Colin machte sich Sorgen und beschloss, William zu besuchen. Als Colin William sah, dachte er, er würde schlafen, doch als William bemerkte, dass Colin da war, rief er ihn zu sich.

William war sehr krank geworden und erzählte Colin, dass er wohl nicht mehr lange leben würde.

Williams Aussage machte Colin sehr, sehr traurig, da er doch in William einen guten Freund gefunden hatte.

Mit Tränen in den Augen versprach er William, ihn jeden Tag besuchen zu kommen und ihn gesund zu pflegen, doch William hatte nur noch 2 Wochen zu leben.
Auf dem Sterbebett überreichte William Colin sein Tagebuch, in dem er seine Gedanken aufbewahrte.

Doch anstatt der geglaubten traurigen Geschichten über Williams Leben erwarteten Colin Seiten voller Fragen, die William nicht mehr beantworten konnte.

Er hatte sich eine Liste mit den beantworteten und noch offenen Fragen angefertigt, die er sorgfältig eine nach der anderen durchgestrichen hatte. Eine Frage beeindruckte Colin doch sehr.

Wie kam ein Mensch auf die Idee sich zu fragen, wie viele Schritte es sind, bis man sein Glück gefunden hat?

Colin grübelte die ganze Nacht lang, doch er war sich sicher, dass das Glück keine Sache sei, zu der man laufen könnte, sondern etwas, das man hat oder nicht!!
Da er sich sicher war, dass William bei ihm war, erzählte er ihm in Gedanken, wie er über diese Frage dachte.

Als er auf dem Nachhauseweg war, begegnete er einer merkwürdig gekleideten alten Frau. Sie hatte einen kleinen Tisch mit wunderschön leuchtenden Steinen.
Die Steine standen für verschiedene Dinge. Einer für Erfolg, einer für Liebe, der andere für Freundschaft und noch viele weitere.

Colins Blick blieb an einem Stein hängen, der versprach, Glück zu bringen.
Er sah die alte Dame an und sagte, dass man das Glück nicht durch einen Stein erzwingen könne.

Sie war sehr erstaunt, denn so etwas hätte sie nicht erwartet.
Sie war sehr freundlich und erklärte ihm, dass er recht habe, dass die Leute aber oft denken, durch Dinge wie ein kleines Schweinchen oder einen Schornsteinfeger dem Glück nachhelfen zu können, dass sie aber vergessen, dass sie nur mit einem offenem Herzen und mit vielleicht nicht ganz geschlossenen Augen durch die Welt gehen müssten, um das Glück, das sich täglich auf der Erde zu finden ist, zu erkennen und zu ergreifen.

Colin hörte interessiert zu und hatte es plötzlich sehr eilig.
Er rannte zum Strand und blieb keuchend an seinem Platz stehen.
Er beobachtete die vorbeiziehenden Wolken und als er wieder einigermaßen atmen konnte, sagte er stolz in Gedanken zu William. „Ich weiß, wie viel Schritte es zum Glück sind, es ist genau ein Schritt zu unserem Herzen!“


Ihr Lieben,

Papaaaaa… so begannen die zahllosen Fragen meiner Söhne, als sie noch klein waren. Mit viel Geduld habe ich versucht, auf alle ihre Fragen eine Antwort zu finden. Und konnte ich keine finden, so habe ich sie nicht belogen, sondern ihnen ehrlich gesagt: „Darauf habe ich auch keine Antwort, lass uns gemeinsam darüber nachdenken!

Bei diesem gemeinsamen Nachdenken fanden meine kleinen Söhne oft erstaunliche Antworten, auf die ich nie gekommen wäre und deshalb gehört dieses gemeinsame Nachdenken über Fragen zu meinen schönsten Erinnerungen.


Die Frage nach dem Glück ist auch eine Frage, welche die Menschheit schon seit unendlich langer Zeit beschäftigt.

Und da die Menschen in ihrer Ungeduld keine Antworten fanden, suchten sie, wie in der Geschichte berichtet wird, das Glück zu erzwingen durch äußere Zeichen.

So spielen Menschen Lotto, um glücklich zu werden, in meiner Kindheit berührten Menschen manchmal Schornsteinfeger (die noch wie solche aussahen und tatsächlich Schornsteine fegten), um das Glück zu erhaschen, oder Menschen gießen zu Silvester Blei oder schenken sich gegenseitig Glücksschweinchen, um das Glück zu erzwingen.


Dabei ist das Glück so nahe!

Wir brauchen ihm nicht hinterher zu rennen. Wir müssen nur zur Ruhe kommen, uns hinsetzen und in unser Herz hineinhorchen. Das Glück ist nur einen Schritt von uns entfernt, es wohnt in unserem Herzen und lässt sich gerne auf unserer Schulter wie ein wunderschöner Schmetterling nieder.


Ihr Lieben,

ich wünsche mir soooooooooooooooo sehr, dass jeder von Euch glücklich wird, dass er das kleine Glück im Alltag genießen kann und dass, Liebe, Zuversicht, Hoffnung und  Freude sein Leben erfüllen.

Ich grüße Euch ganz herzlich aus Bremen


Euer fröhlicher Werner


Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt


 

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