2602 Geschichten

Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 2.602 Geschichten und dienstags und freitags kommt jeweils eine weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen

Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Montag, 11. Oktober 2010

Kinder haben ein Recht darauf, angehört zu werden

"GERECHTIGKEIT IST DIE LIEBE MIT SEHENDEN AUGEN."
FRIEDRICH NIETZSCHE


Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen:


"DER KLUGE RICHTER"

"Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingenähet war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern an.

Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen.

"Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird's wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!"

So sprach er mit dem heiteren Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens und das war schön.

Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte.

"Guter Freund", sprach er hierauf, "es waren eigentlich 800 Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch 700 Taler. Ihr werdet also wohl eine Naht aufgetrennt und Eure 100 Taler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt Ihr wohl daran getan. Ich danke Euch."

Das war nicht schön. Aber wir sind noch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn. Der ehrliche Finder, dem es weniger um die 100 Taler als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit ging, versicherte, daß er das Päcklein so herbeigebracht, wie er's gefunden habe.

Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestanden auch hier noch auf ihrer Behauptung - der eine, daß 800 Taler seien eingenäht gewesen, der andere, daß er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe.

Da war guter Rat teuer. Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des andern im voraus zu kennen schien, griff die Sache so an:

Er ließ sich von beiden über das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und tat hierauf folgenden Ausspruch:

"Demnach, und wenn der eine von euch 800 Taler verloren, der andere aber nur ein Päcklein mit 700 Talern gefunden hat, so kann auch das Geld des letztern nicht das nämliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat.

Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurück und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur 700 Taler verloren hat. Und dir da weiß ich keinen andern Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine 800 Taler findet."

So sprach der Richter und dabei blieb es."


Ihr Lieben,

wenn man diese Geschichte liest, so wünscht man sich sicher mehr solche weisen Richter.
Aber diese Geschichte will uns auch etwas sagen über den Umgang mit unseren Mitmenschen, vor allem mit unseren Kindern und Enkelkindern:

Ich wohne in einer sehr ruhigen kleinen Seitenstraße in Bremen mit vielen älteren Leuten und auch vielen jungen Familien. Immer wieder beobachte ich, dass Mütter und Väter ihren eigenen Kindern nicht glauben, wenn Fremde aus der Straße behaupten, die Kinder hätten dies oder jenes getan (z.B. mit einem Fußball ständig gegen ein Garagentor geschossen).

Was mich an diesen Szenen immer wieder erschreckt und traurig macht, ist nicht, dass sich hier Menschen beschweren, dass dauernd mit einem Fußball gegen ein Garagentor geschossen wird, darüber kann man sicher reden und diskutieren.

Traurig macht mich in solchen Fällen, dass ich immer wieder beobachten muss, dass Mütter und Väter ihre eigenen Kinder nicht einmal zu Wort kommen lassen, damit sie schildern können, wie die Angelegenheit wirklich war. Die Kinder werden dann bestraft, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, sich zu rechtfertigen.

Es geht dabei nicht nur um Gerechtigkeit, es geht dabei auch darum, dass das Vertrauen zwischen den Eltern und Kindern kaputt geht, wenn Eltern nicht bereit sind, ihren Kindern zuzuhören.

Kinder haben ein Recht darauf, angehört zu werden.
Und wenn jemand kommt und einen Vorwurf gegen unsere Kinder und Enkelkinder vorbringt, sollten wir auf jeden Fall erst einmal unsere Kinder bitten, uns zu erzählen, wie die Angelegenheit aus ihrer Sicht verlaufen ist.
Unsere Kinder und Enkelkinder werden es uns mit großem Vertrauen danken.

Ich wünsche euch nur allen einen fröhlichen Start in die neue Woche, viel Kraft für Eure Aufgaben und ganz viel Verständnis für Eure Kinder.

Ganz liebe herzliche Grüße

Euer fröhlicher Werner vom Weserstrand

                                                                      

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