2855 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 2.855 Geschichten und mehrmals in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Montag, 2. März 2015

Warum Heimat so wichtig ist!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Eugen Rucker erzählen:

„Das Gesicht der Mutter“

In der ersten Klasse einer Schwarzwälder Volksschule fing eines Morgens bald nach dem Unterrichtsbeginn ein kleiner Junge an zu weinen. Seine Banknachbarin verständigte den eifrig unterrichtenden Lehrer und der fragte auch gleich den Kleinen, warum er denn weine.
www.familienhandbuch.de
Der wollte zunächst nicht heraus mit der Sprache, rieb sich mit beiden Händen die Augen und schluchzte nur. Nach einiger Zeit aber, als der Lehrer ihn gütig und geduldig weiter bat, doch zu sagen, was ihm denn weh tue oder bedrücke, da sah der kleine Junge vertrauensvoll zu ihm auf und sprach: „Ich habe vergessen, wie meine Mutter ausschaut.“

Da lachten die Kinder, die um ihn herumsaßen, alle laut.
www.dksb.de
Der Lehrer aber verstand den kleinen Jungen sofort und sagte voller Verständnis zu ihm: „Aha, das Gesicht Deiner Mutter hast Du vergessen! Das ist freilich schlimm. Geh nur gleich heim und schau, wie Deine Mutter aussieht!“

Da ging der kleine Junge nach Hause und schaute seine Mutter an. Zufrieden kam es danach zurück, griff nach seinem Stift und fuhr fort, voller Hingabe und Freude Buchstaben zu malen.“

Ihr Lieben,

manchmal nehme ich mir die alten Fotos zur Hand, auf der meine Grundschulklasse zu sehen ist.

Es ist eigentlich schade, dass wir Grundschulkinder uns alle aus den Augen verloren haben, es würde mich schon interessieren, zu erfahren, was aus der einen oder anderen, dem einen oder anderen geworden ist. Merkwürdig ist es schon, dass man auf alten Fotos immer so jung aussieht!

Dies heutige kleine Geschichte berührt ein ganz wichtiges Bedürfnis in uns:
Das Bedürfnis und den Wunsch nach Vertrautheit!


Es wird oft darüber gerätselt, was eigentlich der Begriff „Heimat“ meint.
Warum fühlen sich die einen Menschen am Meer zuhause, andere dagegen in den Bergen?

Ich glaube, das hat weniger mit dem Meer und den Bergen zu tun, sondern mit der Umgebung, in der ein Mensch aufgewachsen ist. Die Umgebung, in der ein Mensch ausgewachsen ist, ist ihm vertraut und deshalb wird sie ihm zur Heimat. Heimat ist also das mir Vertraute.

Wir Menschen brauchen alle ein Stück Heimat, zu dem wir zurückkehren können.
Wenn wir Leid erfahren, wenn wir schwer krank sind, wenn wir älter werden, dann halten wir uns besonders gern dort auf, wo uns die Umgebung und die Menschen vertraut sind.

In der vertrauten Umgebung und unter den vertrauten Menschen da fühlen wir uns sicher, da fühlen wir uns geborgen, da dürfen wir ganz wir selbst sein, da können wir zur Ruhe kommen, da können wir entspannen, da finden wir zu uns selbst.

Deshalb ist das, was der kleine Junge in unserer Geschichte erlebt, nichts Kindisches, sondern etwas zutiefst Menschliches: Wenn wir morgens aus dem Haus gehen würden und könnten uns im Laufe des Tages nicht mehr an das Gesicht unserer Partnerin, unseres Partners, unserer Kinder und Enkelkinder erinnern, dann würde uns Erwachsene das ebenso wie den kleinen Jungen in unserer Geschichte beunruhigen.

Deshalb hat der Lehrer auch so gut reagiert, als er dem kleinen Jungen gestattete, nach Hause zu gehen, um zu schauen, wie die Mutter aussieht.

Aber es ist wichtig, sich einmal in der Fantasie die Situation vorzustellen, dass wir unterwegs sind und uns plötzlich auffällt, dass wir vergessen haben, wir unsere Lieben und unsere Freunde aussehen.

Denn wenn wir das begreifen, dann begreifen wir auch, wie wertvoll und wichtig die Vertrautheit mit unseren Lieben ist, welch wundervolles Geschenk es ist, den anderen Menschen erkennen zu können und sich irgendwo vertraut und heimatlich fühlen zu können.

Wer das begreift, der erfährt, was Heimat ist, 
und den erfüllt tiefe Dankbarkeit.


Ihr Lieben,
ich wünsche Euch ein Gefühl der Vertrautheit, ein heimatliches Gefühl und einen Ort, an dem ihr Euch zuhause fühlt und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner

Samstag, 28. Februar 2015

Ich muss - Ich will - ich kann!


Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Hubertus Halbfas erzählen:

„Die Mitte liegt in Dir!“

„Es träumte ein Kind, es solle sich auf den Weg machen und die Mitte der Welt suchen. Da sagte es Vater und Mutter Lebewohl und zog mit einem Freund in die Ferne.

Zwei Pfadfinder
www.planet-wissen.de
Nachdem es eine Weile gegangen war und in eine fremde Landschaft kam, fragte es einen Bauern nach dem Weg zur Mitte der Welt.
Da musst Du immer geradeaus gehen!“, sagte dieser.

Also ging das Kind einen geraden Weg und ließ sich durch nichts ablenken.
Da musst Du über das große Wasser hinweg!“, sagte ihm ein Fischer, als es schließlich ans Meer kam.

Das Kind dachte, dass es eher an den Rand der Welt als in deren Mitte gekommen sei, und zweifelte an seinem Weg. Es gab aber nicht auf, sondern suchte ein Schiff, mit dem es übersetzen konnte.
Da musst Du durch die Wüste hindurch!“, sagte auf der anderen Seite des Meeres ein kluger Mann.

Aber die Wüste war weit und heiß.
Das Kind ging einige Tagesreisen weit, dann traf es eine Karawane.
„Wo geht es weiter zur Mitte der Welt?“, fragte das Kind:
Es gibt keine Mitte“, sagten die Kameltreiber, „wo immer Du bist, bist Du draußen.“

Das Kind ließ sich aber nicht beirren und ging weiter in die Wüste hinein.
Schließlich begegnete es einem Einsiedler.
Wo geht es weiter zur Mitte der Welt?“, fragte das Kind.
Die Mitte der Welt ist nicht hier und nicht da, sie ist überall.“

Eine Mitte kann nicht überall sein“, antwortete das Kind und zog seines Weges weiter. Nun begegnete es keinem Menschen mehr.

Endlos dehnte sich der Sand, der Himmel spannte sich flimmernd darüber, unbarmherzig brannte die Sonne, nirgendwo war ein Richtpunkt als nur das Kind inmitten der Einsamkeit.

Da hielt es inne und dachte:
Es lohnt sich nicht weiterzugehen. Ob ich mich nun vor oder zurück, nach links oder rechts bewege, immer bin ich in der Mitte der Wüste.
Da wanderte das Kind zurück zu seinen Eltern.
Es wusste:
 Die Mitte liegt in mir. Überall kann ich die Mitte der Welt finden.“

Der Weg der Ruhe zur Mitte in mir
Quelle: Anke Stapelfeldt
Ihr Lieben,

unsere heutige Geschichte ist sehr feinsinnig,
weil sie uns ganz deutlich den Werdegang eines Menschen aufzeigt.

Wenn ein junger Mensch zu einem reifen verantwortungsvollen Erwachsenen heranreifen soll, dann muss irgendwann einmal Vater und Mutter verlassen,
um seinen eigenen Weg zu finden.

Das bedeutet nicht immer, dass sich das Kind wie in unserer Geschichte auf einen echte Weltreise begeben muss, sondern, dass es sich zumindest auf eine gedankliche Reise begeben muss, um zu sich selbst zu finden. 

Es muss eine eigenen Gedanken, seine eigene Meinung entwickeln 
und seinen eigenen Weg gehen.

Die Gefahr auf diesem Weg ist, dass das Kind vielen Menschen begegnet.
Jeder dieser Menschen wird ihm einen anderen Rat geben, wo die Mitte der Welt zu finden ist, nach der sich jeder Mensch sehnt.

Schon mein Jugendfreund Hans-Christoph sagte immer: 
Wenn Du in einer wichtigen Frage zehn Menschen um ihre Meinung bittest, bekommt Du zehn verschiedene Antworten. Entscheidend ist aber,  dass Du selbst die Antwort findest!

Hans-Christoph

Das Kind in unserer Geschichte hat - und das war sein Reifeprozess – am Schluss entdeckt, dass es die Mitte niemals finden kann, wenn es hierhin und dorthin reist, sondern dass die Mitte der Welt und des Lebens ins ihm selbst zu finden ist.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass auch Ihr diese Mitte in Eurem Herzen findet, dass Ihr zur Ruhe kommt und erkennt:
„In mir ist die Mitte, in mir ist das Leben, in mir ist ein Schatz verborgen, in mir ist die Freude, in mir ist die Zuversicht, in mir ist die Hoffnung, in mir ist das Glück, in mir ist die Liebe – was könnte ich wohl Schöneres sonst in der Welt finden?“

Doch wie kann das Finden der eigenen Mitte ganz praktisch im Alltag geschehen?

Vor einigen Jahren bekam ich von einem lieben Menschen eine kleine Holztafel geschenkt, auf der, wie Ihr auf dem Foto sehen könnt, drei Zeilen stehen: 


Dieser liebe Mensch sprach zu mir:
Wenn Du den doppelten Sinn dieser drei Zeilen begreifst,
dann wirst Du die Mitte in Dir finden!


Der erste Sinn dieser drei Zeilen ist der folgende:
Wie es so schön sprichwörtlich heißt, ist das Leben kein Wunschkonzert, vieles in unserem Leben wird durch das „Ich muss“ bestimmt. Nicht alles in unserem Leben gefällt uns, aber das „ich muss“ hilft uns dabei, die Pflichten und Aufgaben in unserem Leben zu erfüllen.

Aber neben dem „Ich muss“ gilt auch das „Ich will“.
Das „
Ich will“ ruft uns dazu auf, auch an unsere Bedürfnisse und Wünsche zu denken, denn nur dann, wenn wir auch unseren Bedürfnissen und Wünschen Raum in unserem Leben geben, wird uns die Kraft und die Motivation geschenkt, die Aufgaben und Pflichten des „Ich muss“ zu erfüllen.

Als Drittes sollten wir auf das „Ich kann“ achten. Wenn wir unsere Pflichten und Aufgaben erfüllen und unseren Bedürfnissen und Wünschen Platz einräumen, dann erkennen wir, wie viel wir können und diese Erkenntnis, dass wir Talente haben, dass wir Begabungen haben, dass wir etwas können, das „Ich kann“ erfüllt uns dann mit großer innerer Dankbarkeit und einem tiefen Glücksgefühl!
Quelle: Helmut Mühlbacher
Der zweite Sinn dieser drei Teilen ist der folgende:

Oft macht uns eine Tätigkeit zunächst gar keinen Spaß. 
So erging es mir, als ich vor vielen Jahren mit meiner Tätigkeit als Lektor begann. 

Mein Zeitvertrag als Dozent an der Universität lief aus und ich war gezwungen, mir eine neue Tätigkeit zu suchen („Ich muss“). Da damals etliche junge Studenten Hilfe bei dem Schreiben ihrer Hausarbeiten und Examensarbeiten benötigten, wurde ich von einigen von ihnen um Hilfe gebeten. 

Ich begann als Lektor also auf dem Stand „Ich muss“. 
Nach einiger Zeit entdeckte ich, dass mir die Tätigkeit viel Freude bereitete, sodass ich mich entschloss, die Tätigkeit des Lektors zu meinem Beruf zu machen. 
Ich gelangte also auf die Stufe des „Ich will“. 

Und nachdem ich jahrelang diesen Beruf ausgeübt, stellte ich fest, dass ich durch die Übung und die gesammelte Erfahrung die Tätigkeit als Lektor beherrschte, ich war also auf der Stufe „Ich kann“ angelangt.
Quelle: Romana Huber
Ihr Lieben, 
ich hoffe, dass Ihr lernt, die Mitte in Euch zu finden und das doppelte Geheimnis des „Ich muss – Ich will – Ich kann!“ zu entdecken. Ich grüße Euch ganz herzlich aus dem frühlingshaft sonnigen Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Donnerstag, 26. Februar 2015

Was ist der Sinn Deines Lebens?

Quelle: Romana Huber
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Christoph Georges erzählen:

„Von der Rettungsstation zum Clubhaus“

„An einer gefährlichen Küste in Südamerika machten sich vor langen Zeiten ein paar Menschen daran, eine Rettungsstation für Schiffsbrüchige zu eröffnen.
Die Küste war schon vielen Schiffen zum Verhängnis geworden. Deshalb hatte sich eine Handvoll Freiwilliger hier eine kleine Hütte gebaut, um den Wachdienst zu versehen.

Zu dieser Rettungsstation gehörte nur ein einziges Boot. Mit diesem wagte sich die kleine mutige Mannschaft immer wieder bei Tag und bei Nacht auf das Meer hinaus, um die Schiffbrüchigen zu retten.
www.maennernews.info
Es dauerte nicht lange, dass dieser kleine Stützpunkt bald überall bekannt wurde. 
Viele der Geretteten und auch andere Leute aus der Umgebung waren gern bereit, die armselige Station mit Geld zu unterstützen. Die Zahl der Gönner wuchs. So konnte man sich neue Boote kaufen und neue Mannschaften schulen.

Mit der Zeit gefiel den Gönnern die kleine ärmliche Hütte nicht mehr.
Die Geretteten, sagte man, benötigten doch einen etwas komfortableren Ort als erste Zufluchtsstätte. Deshalb beschloss man, die provisorischen Lagerstätten durch richtige Betten zu ersetzen. 

Man erweiterte das Gebäude und stattete alle Räume mit schöneren Möbeln aus.
Auf diese Weise wurde die Rettungsstation allmählich zu einem beliebten Aufenthaltsort.  Die Station diente den Männern als Clubhaus, in dem man gesellig beieinander sein konnte.

Gleichzeitig geschah aber auch etwas sehr Verständliches: 
Immer weniger Freiwillige waren bereit, mit auf Bergungsfahrt zu gehen.
Was tat man nun?

Man heuerte für die Rettungsboote eine eigene Besatzung an. Immerhin schmückte das Wappen des Seenotdienstes noch überall die Räume und von der Decke des Zimmers, in dem gewöhnlich der Einstand eines neuen Clubmitglieds gefeiert wurde, hing das Modell eines großen Rettungsbootes herab.

Und nun passierte Folgendes: Vor der Küste strandete ein großes Schiff und die angeheuerten Seeleute kehrten mit ganzen Bootsladungen Frierender und Halbertrunkener zurück. Unter ihnen befanden sich Afrikaner und Orientalen. 

In dem schönen Clubhaus entstand Chaos. Das Verwaltungskomitee ließ deshalb gleich danach Duschkabinen im Freien errichten, damit sich die Schiffbrüchigen vor dem Betreten des Clubhauses gründlich säubern konnten.

Bei der nächsten Versammlung gab es eine Auseinandersetzung unter den Mitgliedern. Die meisten wollten den Rettungsdienst einstellen, weil er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Einige jedoch vertraten den Standpunkt, dass die Lebensrettung die vorrangige Aufgabe sei und dass man sich auch noch als "Lebensrettungsstation" bezeichne.

Sie wurden schnell überstimmt. Man sagte ihnen: Sie könnten ja auch woanders ihre eigene Rettungsstation aufmachen, wenn ihnen das Leben all dieser angetriebenen schiffbrüchigen Typen so wichtig sei.

Das taten sie dann auch. Sie fingen ganz von vorne an mit einer kleinen erbärmlichen Hütte. Ihr guter Ruf aber verbreitete sich sehr schnell. Es gab neue Gönner und es wurde ein neues Clubhaus errichtet...

Die neue Station wandelte sich bald genauso wie die erste.
Und so kam es dann schließlich zur Gründung einer dritten Rettungsstation. 

Doch auch hier wiederholte sich die alte Geschichte. Zuerst gab es wieder nur eine kleine erbärmliche Hütte. Aber der gute Ruf verbreitete sich schnell; es gab Gönner; es wurde ein Clubhaus ausgebaut…

Wenn man heute diese Küste besucht, findet man längs der Uferstraße eine beträchtliche Anzahl an exclusiven Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffen zum Verhängnis, nur - die meisten der Schiffbrüchigen ertrinken!“
Quelle: Romana Huber
Ihr Lieben,

diese heutige Geschichte soll uns als Spiegel dienen,
in den wir hineinblicken können.

Diese heutige Geschichte stellt uns die wichtigste Frage unseres Lebens und die Antwort auf diese Frage bestimmt die Richtung unseres gesamten Lebens, sie entscheidet darüber, ob wir unsere Ziele erreichen, unsere Träume verwirklichen.
www.planet-wissen.de
Die Frage lautet:
Was ist der Sinn Deines Lebens? (Diese Frage ist nicht abhängig davon, ob Du religiös bist oder nicht).

Es geht bei dieser Frage darum, wie Dein Leben ausgerichtet ist.

Es geht darum, ob Dein Leben einem gemütlichen Clubhaus ähnelt, in dem Du lebst und in dem möglichst nicht von Menschen, die Deine Liebe, Deine Zuwendung und Deine Hilfe benötigen, belästigt werden möchtest oder ob Dein Leben eine dynamische Rettungsstation ist, die es Dir ermöglicht, Deinem Leben eine Ziel zu geben, die es Dir ermöglicht, Deine Ziele zu erreichen, Deine Träume zu verwirklichen und für andere Menschen da zu sein.

Wenn Du Deine Ziele erreichen willst, wenn Du Deine Träume verwirklichen willst und anderen Menschen zur Seite stehen möchtest, darfst Du Dich nicht zu bequem einrichten, 

denn Bequemlichkeit hindert uns daran, aufzubrechen
(später vielleicht einmal, wenn ich alt bin),

denn Bequemlichkeit hindert uns daran, unsere Ziele zu erreichen, unsere Träume zu verwirklichen (jetzt ist es gerade so schön, meine Ziele kann ich auch noch später ansteuern),

denn die Bequemlichkeit hindert uns daran, anderen Menschen zu helfen 
(da läuft gerade meine Lieblingsserie im Fernsehen, aber morgen kann Du gerne mit Deinen Sorgen zu mir kommen!).

„Bedenke dieses Wort: Neue Welten, neue Gegenden, neue Ziele wurden in der Menschheitsgeschichte immer nur mit kleinen Schiffen mit schmalem Proviant und geringen Vorräten entdeckt, niemals mit großen Kreuzfahrtschiffen!“
Alexander Rykow

Quelle: Romana Huber
Ihr Lieben,

ich wünsche Euch Zeit zum Nachdenken über den Sinn Eures Lebens, Zeit, um Euer Leben neu auszurichten, Zeit, um zur Ruhe zu kommen und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner  
Quelle: Karin Heringshausen

Dienstag, 24. Februar 2015

Freundschaften und Beziehungen müssen gepflegt werden!

www.gentlemen-blog.de
Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Regina und Bernhard Krause erzählen:

„Die Brücke“

„Obwohl der Fluss das Land in zwei Teile zertrennte, schlossen ein Mann und eine Frau von jeweils anderen Ufer miteinander Freundschaft. Wenn sie sich besuchen wollten, dann wagten die in einem kleinen Boot die gefährliche Überfahrt.
Eines Tages beschlossen die beiden, eine feste Verbindung zwischen den Ufern zu errichten.
www.holzhuster.de
So bauten sie eine Holzbrücke, die sich in zahlreichen Bogen von einem Ufer zum anderen schwang. Und weil ihre Freundschaft so groß und wertvoll war, war ihnen keine Mühe zu groß und nichts zu teuer, um die Brücke mit bunten Bildern und vielen Schnitzereien zu schmücken.

Am Abend entzündeten sie kleine Laternen auf der Brücke.
Am liebsten aber trafen sie sich des Nachts in der Brückenmitte und schauten zu, wie die Lichter, der Mond und die Sterne sich im Wasser spiegelten und miteinander spielten.

Von nah und fern kamen Menschen, die von dem wunderbaren Bauwerk gehört hatten. Sie freuten sich über die neue Verbindung über den Fluss und gingen von einem Ufer zum anderen.

Wind und Wasser aber gingen nicht spurlos an der Brücke vorüber.
Nach einiger Zeit begann sie, baufällig zu werden. Kleine Würmer und Käfer fraßen sich durch das Gebälk. Die Farbe blätterte ab und der Glanz der Leuchter wurde matt und stumpf.

Da beschlossen die beiden, die Brücke zu erneuern.
Sie trugen frische Farbe auf, polierten die Laternen und brachten noch kunstvollere Bilder und Schnitzereien an. Bald erstrahlte die Brücke in neuem Glanze wieder tragen sie sich fröhlich hoch über dem Wasser.

Eines Tages jedoch brach die ganze Brücke mit großem Getöse in sich zusammen 
und die Fluten rissen das Gebälk mit sich fort. Jetzt war der Schaden groß.
Keiner hatte daran gedacht, unter der Wasseroberfläche die Fundamente zu überprüfen, die Brückenpfeiler vor dem Verfall zu schützen und die tragenden Balken zu erneuern.“
Fundamente einer Holzbrücke
www.conrad.de
Ihr Lieben,

die heutige Geschichte erhält eine tiefe Wahrheit.
Mit welch großer Freude, welche herrlichem Einsatz und welchem tiefen Engagement wird geheiratet, werden Freundschaften geschlossen, Beziehungen zu anderen Menschen geknüpft.
Welche gewaltige Freude haben wir empfunden, als unsere Kinder und Enkelkinder auf die Welt kamen, keine Minute war uns zu viel, wir haben gerne für sie unsere Zeit eingesetzt.

Doch mit der Zeit ist das Feuer in uns erloschen, die Mühen des Alltags, das Älterwerden, die Erfahrung von Leid und Schwierigkeiten haben uns abstumpfen lassen, haben uns ermüdet, haben den Glanz aus unseren Augen entfernt.

Doch tief in uns drin spüren wir, wie wichtig, wie wundervolle eine gute Ehe wäre, eine gute Freundschaft, eine gute Beziehung zu unseren Kindern und Enkelkindern.
Und dann raffen wir uns auf und sprechen zu uns selbst:

Ich sollte meiner Frau zum Muttertag mal wieder einen Blumenstrauß schenken“, „Ich sollte meinen alten Freund mal wieder anrufen“, Ich sollte meinen Kindern mal wieder ein Päckchen schicken“, „Ich sollte meinen Enkelkindern mal wieder einen Brief schreiben.“

Aber all diese Vorsätze sind mit dem neuen Anstrich der Brücke in unserer Geschichte zu vergleichen. Die Vorsätze sind gut, aber sie können weder eine Ehe, noch eine Freundschaft, noch die Beziehung zu unseren Kindern und Enkelkindern retten.

Wenn wir die Ehe, die Freundschaft oder die Beziehung zu unseren Kindern und Enkelkindern retten wollen, müssen wir die Fundamente erneuern und neue tragfähige Balken einbauen.

Deshalb sollten wir uns, bevor wir tätig werden, fragen, ob wir wirklich bereit sind, zur Erneuerung der Fundamente und dem Einbau neuer Balken.

Wenn Du die Fundamente in Deiner Ehe, Deiner Freundschaft und in der Beziehung zu Deinen Kindern und Enkelkindern erneuern und neue Balken einbauen willst, dann musst Du schon mehr tun, als Deiner Frau einen Blumenstrauß zum Muttertag zu schenken, dann musst Du mehr tun, als einen alten Freund mal wieder anzurufen oder Deinen Kindern und Enkelkindern mal wieder einen Brief zu schreiben.

Der Maßstab, an dem Du ermessen kannst, ob Du etwas tust, dass das Fundament und die Balken Deiner Ehe, Deiner Freundschaft und der Beziehung zu Deinen Kindern und Enkelkindern erneuert, ist das Folgende:

Tue etwas, dass Dich ein Opfer an Zeit und Einsatz kostet, und tue etwas, dass Deiner Partnerin/Deinem Partner, Deiner Freundin/Deinem Freund, Deinen Kindern und Enkelkindern signalisiert: „Du bist mir viel wert!“, „Du bist für mich ein ganz besonderer Mensch!“, „Du bist mir sehr wichtig!“

Das ist der Maßstab, an dem zu messen solltest, ob das, was Du für Deine Partnerin/Deinen Partner, Deine Freundin/Deinen Freund, Deine Kinder und Enkelkinder tust, ausreichend ist.
Quelle: Karin Heringshausen
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch eine blühende Fantasie, damit Euch viel einfällt, was Ihr für Eure Partnerin/ Euren Partner, Eure Freundin/Euren Freund und Eure Kindern und Enkelkinder tun könnt und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Sonntag, 22. Februar 2015

Schöne neue Welt ??? oder die Schlafkrankheit der Seele!!!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Albert Schweitzer erzählen, dem Arzt und Pastor, der vor vielen Jahren so segensreich in Afrika in Lambarene wirkte. 
www.badische-zeitung.de
Bevor er Deutschland verließ und in Afrika in Lambarene eine Klinik vor allem für arme Menschen und solche Menschen eröffnete, die an der Schlafkrankheit erkrankt waren, hielt er in Deutschland in der Kirchengemeinde, in der er sich zuvor engagiert hatte, eine kleine Rede.

In dieser Rede sagte er Folgendes:
„Ihr wisst, dass im Inneren von Afrika die Schlafkrankheit herrscht. Zuerst werden die Menschen ein klein wenig matt, dann immer mehr und mehr, bis sie zuletzt immer wieder schlafend daliegen und an Entkräftigung sterben.

Der berühmte Professor Koch aus Berlin war vor eineinhalb Jahren in jenen Gegenden, um die Schlafkrankheit zu studieren, und er entdeckte die Anfänge des Übels an vielen Menschen, die ihn deshalb auslachten und sagten, sie fühlten sich wohl, und er wusste doch ganz sicher, dass sie schon angesteckt waren und bedauerte, dass sie sich nicht in Behandlung begeben wollten.
Quelle: Karin Heringshausen
Ebenso wie die Schlafkrankheit des Körpers gibt es auch eine Schlafkrankheit der Seele, bei der die Hauptgefahr darin besteht, dass man sie nicht kommen fühlt. Darum müsst Ihr auch Euch achten. 

Und wenn Ihr die geringste Gleichgültigkeit an Euch feststellt und bemerkt, dass ein gewisser Ernst, eine gewisse Sehnsucht, eine gewisse Begeisterungsfähigkeit in Euch abnehmen, dann müsst Ihr über Euch selbst erschrecken, dass das davon kommt, dass Eure Seele an der Schlafkrankheit erkrankt ist.“

Ihr Lieben,

In den letzten Wochen und Monaten wird in der Presse und dem Fernsehen darüber berichtet, dass inzwischen Praxisversuche mit selbst fahrenden Autos durchgeführt werden. Man rechnet damit, dass in etwa 25 Jahren niemand ein Auto mehr steuern muss, sondern dass dann nur noch zu Beginn der Autofahrt in den Bordcomputer das Ziel eingegeben wird und der „Autofahrer“ am Ziel nur noch ausgeruht aussteigen muss.

Am letzten Samstag, den 21.02.2015, las ich dazu in den Bremer Nachrichten eine Zukunftsvision. Jemand stellte sich vor, wie im Zeitalter der Computer, der IPods, der IPads und der Tablet-PCs die Zukunft im Blick auf unsere Autos aussehen wird. 

Diese Zukunftsversion möchte ich hier in meinen eigenen Worten wiedergeben:

Eines nicht so fernen Tages werden Facebook-Mitglieder pausenlos 
twitternd mit ihrem selbst fahrenden Auto durch die Gegend brettern. 

Skatbrüder müssen eines nicht mehr so fernen Tages nicht nicht mehr gemütlich in einer Kneipe oder zuhause ihre Karten klopfen, nein, sie können das bei 160 Stundenkilometern in ihrem selbst fahrenden  Auto auf der Autobahn tun.

Menschen, die bisher im Freundes- oder Bekanntenkreis in gemütlicher Runde gefeiert haben, können sich eines nicht mehr so fernen Tages in kleinem Kreis in ihrem selbst fahrenden Auto ohne Promillegrenze betrinken.

Eltern, die sich bisher um ihre Kinder gekümmert haben, und sie z.B. mit dem Auto von der Schule oder dem Fußballtraining abgeholt haben, müssen dies eines nicht mehr so fernen Tages nicht mehr tun. Sie können stattdessen ihr selbst fahrendes Auto zur Schule oder zum Fußballtraining schicken, um die Kinder abzuholen, ein direkter Kontakt zwischen Eltern und Kindern ist nicht mehr nötig.

Das Gleiche gilt für die Spätaufsteher am Sonntagmorgen. Sie schicken eines nicht mehr so fernen Tages von ihrem Bett aus mithilfe des Tablet-PCs ihr selbst fahrendes Auto zum Bäcker, der es mit Brötchen belädt.
www.der-feinschmecker-shop.de
Das, was ich gerade geschildert habe, wird in wenigen Jahren Wirklichkeit sein, welch eine wundervolle neue Welt!!!???

Mir graust ein wenig vor dieser neuen Welt. Ich kann nur Albert Schweitzer zustimmen, der von der Gefahr der Gleichgültigkeit spricht. Je weniger Kontakte wir zur Welt haben werden, desto eher werden wir an der Schlafkrankheit der Seele erkranken.

Es geht ja nicht nur um eine technische Neuerung.
Wenn z.B. Eltern morgens ihre Kinder gar nicht mehr sehen, weil sie länger schlafen können, weil das selbst fahrende Auto ihre Kinder in die Schule fährt, dann schläft die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern ein. 

Kein Abschiedsgruß mehr, keine Umarmung, kein Abschiedskuss, das Auto dreht einsam seine Runden. 

Das Gleiche vollzieht sich nach der Schule, auf der Fahrt zum und vom Training, zur und von der Musikschule, zur und von der Nachhilfe und endet damit, dass wir Eltern und Großeltern uns nicht mehr sorgen müssen, wenn unsere pubertierenden Kinder und Enkel in die Disco gehen, weil sie ja mit dem selbst fahrenden Auto dorthin gefahren und von dort auch wieder abgeholt werden.

Ich möchte, ehrlich gesagt, in einer solchen Welt nicht leben.
Die persönliche Liebe, die persönliche Umarmung, das persönliche Wort sind durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch alle Computer dieser Welt.
Ihr Lieben,
für die neue Woche wünsche Ich Euch computer- und smartphonefreie Zeit und Zeit für Euch selbst und Zeit, um Euren Lieben Eure persönliche Liebe zu zeigen. Seid ganz herzlich aus Bremen gegrüßt
Euer fröhlicher Werner 

Freitag, 20. Februar 2015

Du entscheidest selbst darüber, ob Du geliebt wirst!


Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Norbert Possmann erzählen:

„Die beiden Portale“

„Es waren einmal zwei Brüder, es könnten aber auch zwei Schwestern gewesen sein, die beide davon träumten, berühmt zu werden. Eines Nachts hatten beide den gleichen Traum:

Eine gütige Fee erschien ihnen und führte einen jeden von ihnen in eine hohe Halle, an deren Ende sich zwei Portale befanden.
Sie sprach zu jedem von ihnen:
„Schau Dir die beiden Portale genau an und dann entscheide Dich, durch welche Tür Du diese Halle verlassen willst!“
www.stadtlauringen.de
Das eine Portal hatte in der Mitte eine Tür, die war hoch und prächtig und mit goldenen Beschlägen verziert. Fürstlich fühlte sich jeder, wenn er durch die hindurchschritt. Auf der rechten und der linken Seite dieser Tür befanden sich zwei kleine Türen, durch die man nur gebückt hindurchgehen konnte.

Das andere Portal hatte in der Mitte eine kleine Tür und rechts und links neben der Tür waren zwei große, prächtige Türen zu sehen.

Die beiden Brüder waren sich in ihrem Traum unsicher und fragten daher die gütige Fee, was die beiden Portale zu bedeuten hätten.

„Ganz einfach“, antwortete sie jedem von ihnen, „durch das eine Portal kannst nur DU aufrecht schreiten und alle anderen neben Dir müssen gebückt durch die beiden kleinen Türen gehen. Durch das andere Portal kannst nur DU gebückt gehen, die anderen Menschen neben Dir aber schreiten aufrecht hindurch.“

Bis zu dieser Stelle hatten die beiden Brüder denselben Traum.

Doch der eine entschied sich dafür, aufrecht und prächtig schreitend durch das mittlere Portal zu gehen, denn er dachte bei sich:
„Mögen doch die Anderen den Kopf einziehen und sich klein machen.“

Der andere entschied sich dagegen für die kleine Pforte, denn er sprach zu sich:
Das will ich keinem neben mir zumuten, dass er wegen mir den Kopf einziehen muss. Denn wer die anderen neben sich klein macht, ist niemals groß.“

Beide wurden berühmt in dieser Welt.

Als der eine zu Grabe getragen wurde, 
schüttelten die Menschen den Kopf und sagten:
„Gut, dass es ihn nicht mehr gibt!“

Als aber der andere zu Grabe getragen wurde, 
weinten die Menschen und sprachen:
„Schade um diesen guten aufrechten Menschen!“

Ihr Lieben,

Damit diese Geschichte nicht missverstanden wird, möchte ich darauf hinweisen, dass es hier nicht darum geht, dass es angeblich besser ist, gebeugt durch das Leben zu laufen, statt aufrecht durch das Leben zu schreiten.

Wir sollen nicht gebeugt durch das Leben schreiten, 
sondern hoch erhobenen Hauptes.

Denn nur der, der ausrecht durch das Leben schreitet, 
sieht die Sonne am Himmel leuchten.

Denn nur der, der ausrecht durch das Leben schreitet,
sieht die Schönheit des Lächelns im Gesicht anderer Menschen.


Denn nur der, der ausrecht durch das Leben schreitet, 
lernt, ohne Angst dem Leben ins Gesicht zu blicken.

In unserer heutigen Geschichte geht es aber um etwas Anderes, es geht um den Umgang mit anderen Menschen. Wer sich in den Beziehungen mit anderen Menschen, sei es in der Partnerschaft, sei es im Verhältnis zu den eigenen Kindern und Enkelkindern, sei es im Umgang mit Verwandten, Freunden und Bekannten stets in den Vordergrund stellt, stets auf seinen Vorteil bedacht ist, der darf sich nicht wundert, wenn er einsam und unglücklich ist.

Im Umgang mit anderen Menschen gibt es ein großes Geheimnis zu bedenken:
Wenn ich im Zusammensein mit einem Menschen gerne groß erscheinen möchte, sodass der andere umso geringer erscheint, dann werde ich niemals sein Herz gewinnen, erst recht dann nicht, wenn ich meiner Kritiksucht nachgebe und ihn, wann immer es mir möglich ist, kritisiere.

Wenn ich aber im Zusammensein mit einem Menschen vor allem Wert darauf lege, dem anderen Menschen zu verdeutlichen, dass er etwas Besonderes ist, dass er einzigartig ist, dass ich ihm gerne den Vortritt lasse, dann werde ich sein Herz und seine Zuneigung gewinnen, erst recht dann, wenn ich ihn ermutige und ihn unterstütze auf seinem Lebensweg.

Ihr Lieben,
ich wünsche Euch ein rundum zufriedenes Wochenende, viel Mut zum Ermutigen, keinen Mut zum Kritisieren, ganz viel Mut zum Umarmen und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner

Donnerstag, 19. Februar 2015

Geh durch die Tür Deiner Angst hindurch!


Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Paul Maar erzählen:

„Die vergessene Tür“

„Ich muss damals acht Jahre alt gewesen sein, als ich im Hause meiner Großeltern eine Tür entdeckte, die mir Angst machte. Sie befand sich oben auf dem Dachboden des alten Gebäudes. 

Es war eine ganz gewöhnliche, braune Tür aus unbearbeitetem Holz. Einige Male war ich schon mit Großvater oben auf dem Dachboden gewesen, aber die Tür war mir noch nie aufgefallen.
www.planet-wissen.de
„Opa, woher kommt die Tür?“, fragte ich. „Woher soll sie kommen, sie ist schon immer da gewesen“, antwortete der Großvater gleichmütig. Er suchte unter alle dem Gerümpel nach alten Flaschen.

„Und wohin führt sie?“, fragte ich weiter. „Nirgendwohin“, sagte er, blies den Staub von einer Flasche und stellte sie zu den übrigen in einen Korb. „Nirgendwohin? Das gibt es doch gar nicht. Ich meine: Wenn man da durchgeht, wo kommt man da hin?“

„Man kann nicht durchgehen.“, antwortete der Großvater geduldig. „Habt ihr den Schlüssel verloren?“, bohrte ich weiter. „Nein, sie ist nicht abgeschlossen“, sagte er und lachte ein wenig. 

„Du kannst sie öffnen, wenn Du Dich traust, die Spinnweben zu entfernen.“
Ich trat auf die Tür zu, streckte den Zeigefinger aus und wischte die Spinnweben fort, die vom Türgriff herabhingen. Irgendetwas in meinem Inneren hinderte mich daran, den Griff anzufassen, herunterzudrücken und die Tür zu öffnen.

An diesem Abend konnte ich nicht einschlafen. Ich musste ständig an die Tür denken, die ich nicht geöffnet hatte und die ins Nirgendwo führte. Schließlich schlief ich doch ein und träumte von einer Tür, aus der eine große Hand nach mir griff und mich hindurchziehen wollte. Ich sträubte mich dagegen, ich schrie und schlug um mich, bis Großmutter kam und mich wachrüttelte.

Während des Tages vergaß ich die Tür. Aber am Abend im Bett kehrte die Angst zurück. Und wieder hatte ich einen Albtraum, in dem eine riesige Tür die Hauptrolle spielte.
„Heute Nacht hast Du wieder im Schlaf geschrien“, sagte der Großvater beim Frühstück zu mir.

„Sag schon, was ist da los?“ „Ich fürchte mich vor der Tür“, gestand ich. „Vor der Tür?“, fragte er verständnislos. „Vor der Tür auf dem Dachboden“, antwortete ich. Der Großvater schien zu begreifen. „Die Tür, die Du aufmachen wolltest und dann doch nicht geöffnet hast“, sagte er.

„Da gibt es nur ein Mittel gegen die Angst: Wir gehen zusammen nach oben und öffnen sie!“
Er nahm mich an die Hand und wir stiegen gemeinsam die Treppen hoch zum Dachboden. Vor der Tür blieb er stehen. „Mach sie auf!“, sagte er. „Kannst Du sie nicht aufmachen?“, fragte ich zaghaft.

„Nein“, sagte er. „Wenn man Angst vor etwas hat, gibt es nur ein Mittel dagegen: Man muss durch die Angst hindurchgehen. Wenn Du die Tür öffnest, wirst Du Dich niemals mehr vor ihr fürchten.

Ich stand vor der Tür und streckte die Hand nach dem Griff aus. Ich fand es lächerlich, aber ich schaffte es nicht, diese Tür aufzumachen.
Ich fühlte Schweißtropfen auf meiner Stirn. 

„Bitte, Opa, mach die Tür auf“, bat ich ihn inständig. Er schüttelte den Kopf. „Du muss es selbst tun“, sagte er.

Mit einem Ruck riss ich den Türgriff nach unten und zog die Tür auf. Dahinter war nicht als eine rote Bachsteinmauer. „Du hast es geschafft!“, sagte der Großvater erleichtert. „Siehst Du, es ist genauso, wie ich es Dir gesagt habe, die Tür führt nirgendwohin.“

„Aber warum ist da eine Mauer?“, fragte ich. „Früher haben dieses Haus und das Nachbarhaus zusammengehört, man konnte von einem Dachboden auf den anderen gehen“, erklärte er. „Als mein Vater das Haus gekauft hat, ließ er die Türöffnung zumauern. Darum ist da jetzt eine Mauer.“

Natürlich habe ich später noch oft Angst gehabt, auch als Erwachsener. Aber Großvaters Rezept, dass man „durch die Angst hindurchgehen müsse“, hat mir immer geholfen.“
Quelle: Raymonde Graber
Ihr Lieben,

bei unseren Ängsten, die manchmal unser Leben erschweren, die unser Leben manchmal verdunkeln, verhält es sich wie mit der Tür in unserer Geschichte. Die Tür ist nicht verschlossen, der Zugang zur Tür ist uns nicht verwehrt, aber wir trauen uns nicht, die Tür zu unserer Angst aufzumachen, uns unserer Angst zu stellen.

Wir vermuten hinter der Tür ganz schreckliche Dinge, unsere Fantasie spielt uns manch schrecklichen Streich in dem Zusammenhang und mit der Zeit entwickeln wir sogar Angst vor der Angst!

Das einzige Mittel, um die Angst zu besiegen, ist, sich ihr zu stellen, die Tür zu öffnen und der Angst ins Gesicht zu blicken. Wenn wir die Tür zur Angst nicht öffnen, dann wird unsere Angst immer größer, weil wir uns ihr nicht stellen, weil wir nicht wissen, was sich hinter der Tür genau verbirgt.

Eine solche Angst hat in unserer Straße sogar eine Bezeichnung: 
Es ist die namenlose Angst, die unsere Lebensfreude tötet. 
Erst dann, wenn wir uns der Angst stellen, wenn wir ihr ins Angesicht blicken, bekommt sie einen Namen und wir werden wie der kleine Junge in unserer Geschichte, in vielen Fällen feststellen, dass die Angst in Wirklichkeit nicht bedrohlicher ist als die Backsteinmauer in unserer Geschichte.
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,
Ich wünsche Euch einen heiteren angstfreien Abend und grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen